in lingua latina
Thesaurus (Lexikon)
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Error in persona vel in obiecto

Error in persona vel in objecto – der Irrtum über die Person oder das Objekt – ist eine Figur der Versuchslehre im Strafrecht. Anders als beim aberratio ictus, bei dem der Täter das richtige Opfer ins Visier nimmt, dieses aber aufgrund einer Abweichung in der Außenwelt verfehlt, irrt der Täter beim „error in persona vel in obiecto“ über die Identität des Opfers.

Der Unterschied zwischen einer aberratio ictus und einem error in persona wird an einem Beispiel deutlich. Nehmen wir an, Anton will Bernd erschießen:

  • Aberratio ictus: Anton erkennt Bernd, zielt auf ihn und schießt. In dem Moment bückt sich Bernd und die Kugel trifft den hinter ihm stehenden Claus.
  • Error in persona: Anton erschießt Claus, weil er ihn für Bernd hält.

Die Strafbarkeit dieser Fälle einer Identitätsverwechslung ist im Einzelnen in der Rechtswissenschaft umstritten. Die Rechtsprechung unterscheidet hier zwei Fallvarianten:

  • Sind das gedachte und das tatsächlich getroffene Zielobjekt gleichwertig, so hat sich der Täter entsprechend den zumm Schutz des getroffenen Objekts bestehenden Strafvorschriften strafbar gemacht. Der Vorsatz des Täters entfällt in diesen Fällen auch nicht wegen eines Tatbestandsirrtums (§ 16 Abs. 1 S. 1 StGB), da der Täter ja schließlich auch das von ihm anvisierte Objekt getroffen hat. Dass es sich hierbei um das falsche Opfer handelt und der Täter sich ein anderes Opfer vorgestellt hat, ist hierbei nur eine unbedeutende Abweichung vom (vorgestellten) Kausalverlauf.
  • Sind das gedachte und das tatsächlich getroffene Zielobjekt ungleichwertig, so hat sich der Täter hinsichtlich des gedachten Opfers wegen Versuchs und hinsichtlich des tatsächlich getroffenen Opfers wegen eines entsprechenden Fahrlässigkeitsdelikts strafbar gemacht – natürlich nur, soweit für den jeweiligen Straftatbestand eine Versuchsstrafbarkeit oder ein Strafnorm für die fahrlässige Tatbegehung besteht.

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Intervise:
Aberratio ictus
Ignorantia facti