in lingua latina
Thesaurus (Lexikon)
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Cuius regio, eius religio

Cuius regio, eius religio – Wessen Land, dessen Glaube – beschreibt den in der Folge der Reformationszeit im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation entwickelten Grundsatz, wonach alle Bewohner eines Landes die Konfession ihres Landesherrn teilen müssen.

Der 1612 von dem Greifswalder Rechtsprofessor Joachim Stephani geprägte Grundsatz des “cuius regio, eius religio” wurde als Rechtsprinzip sowohl im Augsburger Religionsfrieden wie auch im Westfälischen Frieden niedergelegt. Eng mit dem Rechtssatz “cuius regio, eius religio” verbunden war das in § 24 des Augsburger Religionsfriedens festgelegte ius emigrandi, dass allen Untertanen, die nicht die Konfession ihres Landesherrn annehmen wollten, das Recht garantierte, zusammen mit ihrer Familie und unter Mitnahme ihres Eigentums auswandern, um so einem erzwungenen Konfessionswechsel auszuweichen. Voraussetzung für diese Auswanderung aus Glaubensgründen war allerdings, dass zuvor alle herrschaftlichen Verbindlichkeiten – einschließlich des Freikaufs aus der Leibeigenschaft – abgelöst worden waren.

Ausnahmen von dem Prinzip des “cuius regio, eius religio” bestand nur für geistliche Herrschaften sowie die Reichsstädte:

Für die weltlichen Herrschaftsgebiete römisch-katholischer, geistlicher Herrschaft bestand ein “reservatum ecclesiasticum”, ein geistlicher Vorbehalt, wonach dieser geistliche Herrscher seine Besitzungen und Herrschaftsrechte verlor, wenn er sich zur evangelischen Konfession bekannte. In diesen katholischen geistlichen Gebieten waren die Bewohner mithin vor einem Konfessionswechsel geschützt. Im Gegenzug wurden in diesen katholischen geistlichen Gebieten die landsässigen evangelischen Ritter und Städte durch die von König Ferdinand I. erlassene Declaratio Ferdinandea geschützt.

In den Reichsstädten anderseits hingegen entwickelten sich Staats- und Gesellschaftsmodelle, die auf eine obrigkeitlich vorgegebene Einheitsreligion verzichteten. In den Reichsstädten existierten die verschiedenen Konfessionen daher oftmals nebeneinander.